Andere Länder, andere Sitten

Ein Sprichwort, was wohl ein Jeder von uns am eigenen Leibe schon erlebt haben durfte. Selbst unsere direkten Nachbarn, die Franzosen, bringen uns immer wieder zum Staunen, wenn sie stundenlang ihre Mahlzeiten am späten Abend zelebrieren, scheinbar immerzu Croissants, Baguette und Eclaires schnabolieren oder genüsslich an ihren Froschschenkel knabbern.

Was denken aber andere Menschen aus anderen Ländern über die Deutschen? Die Engländer bezeichnen uns als die „Krauts“ (was wohl mit dem Sauerkraut zu tun hat), die im Sommerurlaub die Liegematten an den Hotelpools mit ihren Handtüchern belegen. Es gibt wirklich nicht viele Franzosen, die ihren Urlaub am Bodensee oder sonstwo in Deutschland verbringen. Man darf wohl gemerkt aber auch nicht vergessen, dass die Franzosen ihren Urlaub generell lieber im eigenen Land verbringen. Viele Franzosen begegnen den Deutschen mit dem Vorurteil, dass sie keine Genussmenschen sind, immerzu auf Arbeit und Korrektheit bedacht sind und nicht so großen Wert auf Geschmackserlebnisse leben.

Ein Blick in das Branchenbuch der Deutschen könnte das bestätigen: Natürlich gibt es zahlreiche Restaurants und Vergnügungsangebote, die man in den deutschen Branchenbüchern findet, jedoch gibt es genauso viele Behörden, Ämter oder andere langweilige Institutionen, die die deutsche Bürokratie geradezu symbolisieren. Wie sieht das aber in französischen Branchenbüchern aus? Eine Fülle an Restaurants, Beautysalons und anderen wohltuenden Einrichtungen lässt sich hier finden. Mehr als bei uns? Schwer zu sagen, da dies natürlich auch von der Lukrativität des wirtschaftlichen Standorts zusammen hängt.

Wie dem auch sei: Vergessen wir mal die Stereotypen und besinnen uns darauf, was sie eigentlich wirklich bedeuten. Wir sehen in Stereotypen von anderen Kulturkreisen vor allem die Dinge, die uns selbst zu fehlen glauben. Das muss aber nicht immer mit einer Bewertung einhergehen. Man kann sich genauso darauf besinnen, was man über sich selbst lernt, nämlich durch den Vergleich mit anderen (dies nennt man interkulturelle Kompetenz). Stereotypen sind also gar nicht mal so schlecht, denn wir alle haben gerne Anhaltspunkte für unsere eigenen Einschätzungen. Man fühlt sich schlichtweg sicherer, wenn man „scheinbar“ weiß, was einen erwartet und außerdem gut, wenn man weiß, was auch andere von einem erwarten (z.B. die Tugend der deutschen Pünktlichkeit).